Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ)

Sehr geehrte Damen und Herren!

Am gestrigen (03.02.16) Abend fand im Rathaus der Gemeinde SBL bekanntlich die Informationsveranstaltung zu den Möglichkeiten der Schaffung eines (kommunalen) Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) im ländlichen Raum statt.
Hintergrund diese Veranstaltung war die bereits im September 2014 durch die FWG-Fraktion beantragte Prüfung der Möglichkeit einer zukünftigen Errichtung eines solchen bzw. eines Ärztehauses in unmittelbarer Nähe der beabsichtigten Zentralklinik in Georgsheil.

Die Fraktion der FWG fand die Inhalte, die Dr. Andreas Rühle von der Ärztegenossenschaft Niedersachsen-Bremen mit Sitz in Oldenburg dort darlegte, sehr aufschlussreich.

Zunächst führte er mehrfache Gründe an, warum junge Mediziner den Weg in den ländlichen Raum meiden und dort nicht so gerne praktizieren.
Zum einen sei es die Infrastruktur mit den eingeschränkten Freizeitangeboten im ländlichen Raum.
Zum anderen sei es aber auch die Tatsache, dass die jungen Mediziner von heute und die der Zukunft nicht mehr mit jenen zu vergleichen sind, die man aus früheren Zeiten kenne, so Dr. Rühle.
Allgemeinmediziner der “älteren Jahrgänge” seien sogenannte “Allrounder”, die fast zu jeder Zeit erreichbar sind/ gewesen seien.
Junge Mediziner hingegen wollen mehr Planungssicherheit in ihren Arbeitszeiten.
Auch spiele bei diesen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine nicht unerhebliche Rolle.
Das seien -neben anderen Faktoren – oftmals eben auch die Gründe, warum junge Mediziner keine eigenständige Praxis auf dem Lande mehr betreiben würden wollen und sich somit in diesem Raum auch nicht verselbstständigen, so Rühle weiter.
Hinzu käme die Problematik der Budgetierungen und die sogenannte “Regressangst” bei einer nicht gerechtfertigten Überschreitung des Budgets.
Eine Einzelpraxis sei für die Mediziner der Zukunft so nicht oder kaum wirtschaftlich zu führen, so Dr. Rühle in seinen Ausführungen.

Nach seinen Angaben seien hier die Medizinische Versorgungszentren (MVZ) der Zukunft wirtschaftlich effektiver.
Das wären dann solche, deren Gründung beispielsweise auf Personengesellschaften, GmbH, eG, Eigenbetriebe oder Regiebetriebe basieren.
So könnten sie auch durch Kommunen betrieben werden. Aber sinnvoll sei es, so Dr. Rühle, wenn mehrere — bereits in den
Ortschaften ansässige Ärzte — unter der Führung (Organisation) eines zu bestimmenden Arztes sich zu einem MVZ vernetzen würden.
Entweder an einem Standort (Haus) oder unter Weiterführung der bisherigen.
Das wäre aus organisatorischen Gründen und Gründen der Kostenabwicklungen für alle vorteilhafter. Eine Gemeinde könne diese Führung/Organisation, ohne zusätzlichen
Kostenaufwand, nicht gewährleisten. Das Prinzip der durch Dr. Rühle vorgestellten MVZ basiere darauf, dass gerade auch solche Vernetzungen der Ärzte junge Mediziner, die sich nicht früh verselbständigen wollten — die Möglichkeit biete, auf Angestelltenbasis mit eingebunden und für die Zukunft in den Kommunen aufgebaut werden zu können.

Nicht vorteilhaft sei es hingegen, ein solches zukunftorientiertes MVZ unter der Führungsregie einer Klinik einzurichten, zumal es einer Klinik nicht selten auch auf Patienten- Belegungen im eigenen Hause ankäme und die Patienten dann bei den MVZ “wegbleiben” würden. Darüber hinaus wurde im Rahmen der Veranstaltung nochmals deutlich, dass
es sich bei dem durch Dr. Rühle vorgestellten MVZ um ein zukunftsorientiertes Modell handel.

Nach wie vor gebe es auch das Prinzip der sogenannten Ärztehäuser und Gemeinschaftspraxen. Gemeinschaftspraxen, wie man sie in jeder größeren Stadt (Mittelzentren)
vorfinden kann. Oder eben Ärztehäuser, auch MVZ genannt, wie sie zum Beispiel bundesweit in großer Anzahl bei der Krankenhäusern und Kliniken vorzufinden sind.

Auch diese Modelle seien in Zukunft weiterhin möglich, zumal sie im Regelfall durch Privatinvestoren erstellt und betrieben und durch angeworbene Ärzte belegt werden.

Im Ergebnis stellt sich für die FWG heraus, dass es nunmehr angebracht sein sollte, Gespräche mit den ortsansässigen Ärzten zu führen, ob ein solches MVZ aus deren Bewertung heraus für SBL sinnvoll erscheint. Darüber hinaus wäre es angebracht, junge Medizinstudenten aus Südbrookmerland zu einem (solchen) Gespräch einzuladen, wie durch die CDU-Fraktion bereits beantragt bzw. vorgeschlagen. Zusammen mit diesen jungen Medizinern könnten die oben genannten Alternativen/ Perspektiven aufgezeigt und erörtert werden.

Die FWG-Fraktion sieht hierbei ihren Ansatz der Errichtung eines MVZ –entweder nach dem Modell von Dr. Rühle; in Form eines Ärztehauses in bislang bekannter Form oder auch in Form einer Gemeinschaftspraxis — in der Nähe der beabsichtigten Zentralklinik in Georgsheil nach dem sogenannten Investorenprinzip — nach wie vor — aus vielschichtigen
Gründen als absolut sinnvoll an.

Überrascht zeigt sich die Fraktion übrigens über die Resonanz der Teilnahme an dieser Veranstaltung.
Bis auf wenige Ausnahmen waren –neben den Vertretern aus der Verwaltungsspitze– fast alle Ratsmitglieder zugegen.
Wir finden es richtig gut, dass das Interesse an der zukünftigen Sicherstellung einer ärztlichen Versorgung in unserer Gemeinde so groß zu sein scheint.
Auch, wenn es von der ein oder anderen Seite nicht immer so rüber kam!

Thomas Erdwiens, stellvertr. Bgm.
und FWG-Fraktionsvorsitzender